Heribert Prantl in Nürnberg – „Heimat in flüchtigen Zeiten“

Rückschau auf den 21. Juni 2017

Vormittags starteten wir in Nürnberg diese gute und überzeugende Kampagne – Wer Demokratie WÄHLT keine Rassisten.

Abends saß ich mit 200 weiteren interessierten Zuhörern im Evangelischen Gemeindehaus in Münchberg vor einem Rednerpult; gespannt warteten alle auf den Vortrag von Heribert Prantl. Prof. Dr. Dr. hc Heribert Prantl. Prantl ist nicht nur einfach Journalist bei der Süddeutschen Zeitung; er hat Jura studiert, auch Geschichte und Philosophie; und er ist theologisch gebildet. „Heimat in flüchtigen Zeiten“ hieß die Stunde, in der wir ihm zuhören konnten. Prantl begann seinen Vortrag damit, über seine eigene Heimat zu sprechen, die Oberpfalz. Er sprach über Dr. Helmut Kohl, den vor wenigen Tagen verstorbenen ehemaligen „Bundeskanzler der Wende“. Kohl gelang durch seine Heimatverbundenheit zu der Fähigkeit, Beziehungen zu knüpfen, überzeugend zu sein, hemdsärmelig und weltoffen auf die Menschen zuzugehen.
Mit vielen Details versehen „malte“ uns Prantl das Bild der Bedeutung von Heimat, und er bekannte sich zur Verwendung des Begriffs „Provinz“. „Wer sich nicht traut, Provinz zu sagen, sagt „Region“; meinte er. Ich fühle mich erwischt: ich sage oft auch lieber „Region“ als „Provinz“.

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2017-01-09-Heribert_Prantl_-hart_aber_fair-9637.jpg

Mir fiel ein, was Ringsgwandl vor vielen Jahren in Hof auf einer Bühne sagte „Das wahre Leben findet auf dem Lande statt“ – ich habe das nie vergessen, weil ich meine: das stimmt.

Prantl spricht über die Flüchtlinge. Sehr differenziert; er „zerlegt“ praktisch die Entscheidungen der Politik, angefangen von Merkels „Wir schaffen das“, bis zum Wort „Obergrenze“. „Die Flüchtlinge,“ so betont er lächelnd, „sind möglicherweise die wahren Europäer, denn sie haben Sehnsucht nach Europa.“ Europa könnte Heimat sein.
„Wer bezeichnet schon Europa als seine Heimat?“ denke ich mir.

Schnell war Prantl – ausgehend von vom Heimat- und Provinzbegriff – bei den, wie er sie nannte, „populistischen Extremisten“. Er nimmt die Politik in die Pflicht „Eine Politik die Halt gibt, die Heimat und Bindung ermöglicht, ist eine Politik gegen populistischen Extremismus.“ Er analysiert genau. Er kennt die vielfältigen Probleme außerhalb der bayerischen Ballungsräume.
Und als am Ende der Veranstaltung, in der Fragezeit des Publikums, eine Stimme bezüglich der Flüchtlinge fragt „Warum wird man gleich in die rechte Ecke gestellt, wenn man sich dazu äußert?“ geht der sonst so souverän, ruhig und beherrscht wirkende Prantl in die Luft – und sorgt mit wenigen Worten und Beispielen für Klarheit.

Ein guter Tag.

Nanne Wienands
Stellvertretende Vorsitzende der Allianz gegen Rechtsextremismus
Hofer Bündnis für Zivilcourage

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