NPD und ihre Luther-Hommage: Geschichtsklitterung pur

Keine Lüge zu dreist – Geschichtsklitterung a la NPD

Eine Enttarnung  von

Prof. Anselm Schubert (FAU Erlangen-Nürnberg; Lehrstuhl für Kirchengeschichte)

Jener führt als  Reformationshistoriker zum Plakat und den Ausführungen auf der NPD-Webseite zum Thema Luther (https://npd.de/luther-wuerde-npd-waehlen)

 

„Der Wahlkampfslogan der NPD  „Luther würde NPD“ wählen, ist geschmacklos, falsch und ein billiger Versuch, die eigene Position durch Verweis auf eine historische Person salonfähig zu machen:

 

1) Wenn die NPD behauptet, „Er wäre mit Sicherheit keiner von ihnen [Politiker der etablierten Parteien und Kirchenasyl gewährende Funktionäre der großen Kirchen] gewesen, weil er es ablehnte, sich Meinungsdiktaten zu beugen und von einer fremden Macht (damals Rom, heute Brüssel und Washington) regiert zu werden“, ist zu entgegnen:

  •   Luther hat 1521 in Worms gegenüber Kaiser, Kirche und Reich nicht individuelle Meinungs- und Gewissensfreiheit eingeklagt, sondern umgekehrt festgehalten, dass sein Gewissen im „Wort Gottes gefangen“ ist und gefordert, dass  in der Kirche allein das Wort Gottes gelten solle.

 

Wenn sich die NPD auf Luther berufen will, muss sie nachweisen, dass ihre  Positionen mit der Bibel übereinstimmen. („Den Fremdling sollt ihr nicht bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland“ Lev 19,33f.)

  • Luther hat demgegenüber die weltliche Ordnung seiner Zeit und das landesherrliche Kirchenregiment niemals in Frage gestellt. Spätestens seit 1525 leitete er den Aufbau genau jener obrigkeitlichen Kirche ein, die die NPD so scharf kritisiert.

 

2) Wenn die NPD behauptet, Luther sei ein „aufrechter Patriot“ gewesen, der den Deutschen habe dienen wollen, ist zu entgegnen:

  • Einen deutschen Nationalstaat und eine deutsche Staatsangehörigkeit gab es zu Luthers Zeit noch gar nicht. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war ein Bund von über 500 Territorien, zu denen auch Gebiete im heutigen Niederlanden, Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Tschechien, Slowakei, Polen und Dänemark gehörten. Alle diese Völkerschaften gehörten zum Hl. Römischen Reich  Deutscher Nation. Den Begriff eines „Ausländers“ gab es im 16. Jahrhundert gar  nicht.

 

3) Wenn die NPD behauptet; Luther hätte „keine türkischen Parallelgesellschaften in deutschen Städten würde haben wollen“, so ist zu entgegnen:

  • Luther hat die „türkische Religion“ (den Islam) in der Tat abgelehnt (ebenso wie er  das Judentum, den Katholizismus, das Täufertum, die Reformierte Kirche und alle anderen Religion ablehnte). Gerade über den türkischen Staat seiner Zeit hat er aber besonders lobende Worte gefunden: dieser Staat sei besser organisiert als die christlichen Länder, die Türken hätten mehr Moral, Zucht und Sitte als die  Deutschen (WA 30,2; 189,27ff: Zum vierden wirstu sehen bey den Tuercken  nach dem eusserlichen wandel ein dapffer strenge und ehrbarlich wesen: Sie  trincken nicht wein, sauffen und fressen nicht so, wie wir thun, kleiden sich  nicht so leichtfertiglich und froelich, bawen nicht so prechtig, brangen auch  nicht so, schweren und fluchen nicht so, haben grossen trefflichen gehorsam, zucht und ehre gegen yhren Keiser und herrn, Und haben yhr regiment  eusserlich gefasset und ym schwanck, wie wirs gerne haben wolten ynn  Deudschen landen.“)

 

4) Wenn die NPD Luther dafür instrumentalisiert sich zu „weigern, einer von oben verordneten Weltsicht zu gehorchen“, so ist zu entgegnen:

  • Luther war der Meinung, dass jede Obrigkeit von Gott eingesetzt ist (Röm. 13) und forderte, jeden öffentlich hinrichten zu lassen, der sich gegen die bestehende weltliche Ordnung erhob.“

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